Und als er (Jesus) in Betanien war
im Hause Simons des Aussätzigen
und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl,
und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt.
(Mk 14,3ff)

So beginnt die Geschichte von Jesu Salbung in Betanien im Markusevangelium; kurz bevor das Unheil seinen Lauf nimmt – also kurz vor Verrat, Verhaftung, Verhör, Verurteilung und Tod.

Eine Frau, deren Namen wir nicht kennen, betritt den Raum, in dem Jesus, die Jünger, der Gastgeber Simon zusammensitzen und essen. Jesus weiß, was auf ihn zukommen wird. Und die Jünger? Die einen ahnen es, wollen es aber nicht wahrhaben, andere haben es vielleicht noch immer nicht begriffen. Eine eigentümliche Stimmung ist im Raum. Alle tun so als wäre es ein Abendessen wie immer. Aber unter der Oberfläche da spüren sie alle, besonders Jesus, das drohende Unheil. Aber es bleibt jeder allein damit. Bis – ja bis diese Frau kommt, still, unaufgeregt und tut, was sie tun muss. Sie salbt Jesus mit kostbarem Öl.

Eine, die sich traut, die Angst, den Schmerz, die Trauer des anderen wahrzunehmen und ihn nicht damit alleine zu lassen. Sie kann das Unheil nicht aufhalten, aber sie kann Jesus beistehen, ihm Trost und Kraft mitgeben für den Weg, seinen Weg.

Die Jünger verstehen nicht, was passiert. Sie kritisieren die Frau. „Das gute teure Öl. Hätte man es nicht verkaufen sollen und mit dem Geld Armen geholfen?“ Die Jünger haben ja nicht ganz unrecht. Aber ihnen fehlt das Gespür für diesen Augenblick, diesen wichtigen und kostbaren Moment. Es geht darum zu erkennen, was jetzt und hier dran ist. Und sich darauf einzulassen, was da passiert zwischen Jesus und der Frau. Jesus lässt sich salben – und diese Salbung ist ein zweifaches Zeichen: Jesus ist der Messias und Jesus wird sterben. Beides gehört zusammen – aber das zu verstehen – ist auch für uns heute noch eine Herausforderung.

Eine Herausforderung ist es auch, dass wir dieses Jahr die Karwoche und Ostern anders begehen. Die Karwoche ist die stille Woche. Das war früher selten zu spüren.
Die einen fuhren noch in den Skiurlaub oder flogen in die Sonne, andere planen das Fest zu Hause – wer besucht wen wann, was koche ich wann für wen usw. All das ist in diesem Jahr nicht – leider nicht. Eine neue Stille und Ruhe legt sich über das Land. Für die Natur ist es eine gute Zeit – so  hört man. Sie erholt sich.
Was mir auffällt – natürlich ist da die Enttäuschung über den entgangenen Urlaub, aber so laut ist die Klage nicht – denn es geht allen so. Das macht es wohl irgendwie erträglicher.

Dennoch – es wird uns noch eine Menge Geduld und Kraft kosten, auch die nächsten Tage mit Kontaktsperre zu überstehen. Und wir dürfen uns nicht nahe kommen, dürfen nicht so spürbar, fühlbar einander Trost schenken, wie es die Frau gegenüber Jesus tut.

Wir brauchen es, dass wir einander wahrnehmen und voneinander hören, wie es uns geht. Ich hätte nie gedacht, dass ich unsere digitalen Medien und Möglichkeiten mal als Segen empfinden würde. Ich bin erstaunt und freue mich zugleich darüber, dass wir uns einander verbunden fühlen durch das Läuten der Glocken, durch das Lesen der Andacht (eine schrieb mir – es tut gut zu wissen, dass die anderen jetzt das gleiche lesen), durch das Gebet in den Whatsappgruppen u.v.m.
Seien Sie und Ihr, liebe Gemeinde, herzlich gegrüßt;
ich wünsche uns eine gesegnete Woche
Ihre und Eure

Susanne Salentin

Evangelische Kirchengemeinde Roggendorf

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