Vom Dienst beim Militär heim in die Eifel

Pfarrerin Petra Reitz unterstützt in den kommenden zweieinhalb Jahren die Eifel-Region – Einführung in das Amt im „1717“ Gottesdienst in Hellenthal

Es ist eine kleine Erleichterung für die personell arg geschröpften, evangelischen Gemeinden im Kreis. Zum Jahreswechsel ist Pfarrerin Petra Reitz in die Eifel gekommen, um den Kreis der hauptamtlichen Mitarbeiter zu verstärken. Am Sonntagabend wurde sie von Superintendentin Verena Jantzen im Rahmen des Gottesdienst „1717“ in der Evangelischen Kirche in Hellenthal in ihre neue Aufgabe eingeführt.

Fünf Pfarrer haben in den vergangenen zwölf Monaten ihren Dienst in der Gemeinde Blankenheim/Roggendorf und der Trinitatis-Kirchengemeinde Schleidener Tal aufgegeben. Während Christoph Cäsar und Michael Stoehr von ihren Pfarrstellen in Blankenheim und Mechernich in den Ruhestand wechselten, waren es in Schleiden und Gemünd die Pfarrer Heike Hirt und Erik Schumacher sowie Superintendent Hans-Peter Bruckhoff, die entweder die Altersgrenze erreicht hatten oder andere Stellen annahmen. Ersatz kam lediglich mit Thorsten Schmitt, der vorher in Niederaußem tätig war und nun die vakante Pfarrstelle in Blankenheim besetzte. 

 

Pfarrerin für eine Region statt Gemeinde

Für Pfarrerin Reitz ist dagegen keine eigene Stelle vorgesehen. Sie wird für die nächsten zweieinhalb Jahre die Kollegen in den beiden Gemeinden im Kreis unterstützen. „Das nennt sich stellenungebundener Auftrag in der Region Eifel“, sagt sie. 

Seit dem Jahreswechsel ist sie im Dienst in der Region. Sie wechselt damit aus Köln, wo sie als leitende Militärdekanin tätig war, als eine von vier in Deutschland. „Diese Dienststellen sind zeitlich befristet“, informiert sie. Ende 2024 sei ihr Vertrag ausgelaufen. Im Grunde hätte sie ihn verlängern können, berichtet sie, doch da sie bis zu ihrer Pensionierung noch zweieinhalb Jahre hat, wollte sie für diese Zeit wieder in eine Gemeinde gehen. Vorbild für die Entscheidung sei der ehemalige bayrische Landesbischof Johannes Friedrich gewesen, der die letzten Monate seines Berufslebens als Dorfpfarrer in Bertholdsdorf im Landkreis Ansbach verbrachte. „Das wollte ich auch“, sagt sie im Gespräch.

Die Eifel ist keineswegs Neuland

„Eifel riecht nach Weihrauch und Erde“, sagt Reitz. Sie weiß, wovon sie spricht, denn dass es die Eifel geworden ist, ist kein Zufall. Am Städtischen Gymnasium Schleiden hat die in Witten geborene Reitz ihr Abitur gemacht. „Ich komme nach Hause, so empfinde ich es“, sagt sie. Sechsmal sei sie als Kind umgezogen, da ihr Vater als Techniker bei Mannesmann immer wieder an neuen Einsatzorten tätig war. Schon als kleines Kind sei sie mit ihm in der Greifvogelstation Hellenthal gewesen, was eine tiefe Liebe zur Natur begründete. „Ich bin dann auch Jägerin und Anglerin geworden“, sagt sie. 

In Olef hat sie mittlerweile ihr Elternhaus bezogen. „Ich kenne hier noch viele Menschen“, berichtet sie. Auch in den Gottesdiensten, die sie in den letzten Wochen besucht hat, hat sie viele bekannte Gesichter wiedergesehen. „Die waren mir noch bekannt, weil ich als Schülerin die Kindergottesdienste mit vorbereitet habe“, sagt sie.

Besonderes Interesse für Spiritualität

Die Arbeit in der Gemeinde kennt Reitz. Bevor sie 14 Jahre in der Militärseelsorge tätig war, sei sie 17 Jahre in einer Gemeinde bei Grevenbroich gewesen. „Das war eine schöne Zeit“, erinnert sie sich. Zur Militärseelsorge sei sie nach dem Luftangriff auf zwei Tanklaster im afghanischen Kundus gekommen, bei dem er mehrere Todesopfer gegeben habe. In der Folge sei der lebenskundliche Unterricht bei der Bundeswehr verpflichtend geworden, eine Aufgabe, die Militärseelsorger wahrgenommen haben. Sie habe den Dienst bejahen können. „Theologisch ist der Mensch nicht von Jugend an gut“, sagt sie. 

Vor allem werde sie in der nächsten Zeit ihre Pfarrkollegen bei den Gottesdiensten unterstützen. Doch könne sie sich auch vorstellen, im spirituellen Bereich tätig zu werden.   Denn Spiritualität ist ihr wichtig. Durch viele Jahre sei sie von Pater Anselm Grün begleitet worden, mit dem sie auch ein Buch über Marienfeste veröffentlichte. „Ich habe, vielleicht ungewöhnlich für eine evangelische Pfarrerin, sogar eine Ausbildung zur Exerzitienbegleiterin“, berichtet sie. Auch habe sie sich mit der Zen-Meditation beschäftigt und sei mit dem Pallottinerpater Johannes Kopp, einem, wie sie sagt, Nestor der Zen-Meditation im christlichen Umfeld, in Japan gewesen. 

Der besondere Gottesdienst „1717“

Schon der Name ist ungewöhnlich und die Anfangszeit auch. „1717“ heißen die Gottesdienste, die in unregelmäßigen Abständen in der Gemeinde gefeiert werden und beginnen auch um 17.17 Uhr. Damit wird deutlich, dass mit Überraschungen zu rechnen ist. Wie in dem Gottesdienst am Sonntagabend in der Evangelischen Kirche in Hellenthal, der unter dem Motto stand: „Was ich noch sagen wollte…“. Dort wurde die gewohnte Liturgie davon unterbrochen, dass Kleingruppen gebildet wurden, um über Predigt und Gottesdienst nachzudenken. 

Was fehlt, was ist wichtig, und was macht einen guten Gottesdienst aus, so die Fragen, die von den rund 40 Besuchern erörtert wurden. Sie hatten theologisch-fachliche Unterstützung, denn neben Superintendentin Verena Jantzen waren auch die vier evangelischen Pfarrer aus dem Kreis und ihr katholischer Amtsbruder aus Schleiden Thomas Schlütter gekommen, um der Einführung von Pfarrerin Petra Reitz beizuwohnen. 

Das Thema habe einen tieferen Sinn, sagte Christoph Ude. „Wir wollen damit dafür werben, dass sich neue Leute für das Amt der Prädikanten und Lektoren werben“, sagte er. Denn die würden dringend gesucht, um die hauptamtlichen Pfarrer bei den Gottesdiensten zu unterstützen. 

(Text: Stephan Everling)

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