Claudette Williams als einnehmendes Wesen zu beschreiben, ist fast eine freundliche Untertreibung. „Ich bin ein bisschen anders“, sagte sie bei ihrer Einführung am Sonntag in der Evangelischen Kirche Roetgen über sich selbst. Mit einem breiten Lächeln, mit viel Herzenswärme und einem sympathisch durchschimmernden Afrikaans. Dieser andere Weg hat die ordinierte Pfarrerin und promovierte Theologin vom Kap in die Eifel geführt. „Ich komme aus einer anderen Kultur, ich handle und denke anders. Ich bin sehr dankbar für die Gelegenheit, Teil dieser Gemeinde zu sein. Dankbar, dass ich viele neue Erfahrungen machen darf. Jeder und jede hier wird einen Einfluss auf mein Leben haben“, sagte die 46-Jährige, die mit ihrem Anders-sein gerne auch einen Einfluss auf das Leben der Menschen in der Gemeinde hätte. „Einen hoffentlich positiven Einfluss“, fügte sie ergänzend hinzu.
„Lassen wir uns aufeinander ein“
Schon seit Januar in Deutschland
Seit Januar ist Dr. Claudette Williams schon in Deutschland, sie besuchte Sprach- und Vorbereitungskurse und legte erfolgreich alle notwendigen Prüfungen ab, sammelte fleißig Dokumente. Doch die Erteilung des Arbeitsvisums nahm etwas Zeit in Anspruch. „Jetzt bist du da. Du bist willkommen“, begrüßte Superintendenten Verena Jantzen, die auch die Einführung übernahm, die neue Pfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde Monschauer Land. „Natürlich hast du die gesamte Bandbreite des Pfarrlebens bereits erlebt und gestaltet, unter ganz anderen Bedingungen und doch immer mit derselben Herausforderung: Gottes Wort in die Welt tragen, diejenigen unterstützen, die aus den Systemen gefallen sind. Wir freuen uns auf die gemeinsame Arbeit – in der Gemeinde und im Kirchenkreis. Eins habe ich schon bemerkt: Du bringst eine ganz tiefe Freude mit – für das Leben, für deinen Dienst und die Begegnungen mit anderen Menschen. Das konnten wir an der Kirchentür schon bemerken.“
Erfahrung mit Hilfe für Suchtgefährdete
Claudette Williams ist seit 20 Jahren Pfarrerin der Uniting Reformed Church in Southern Africa (Vereinigende Reformierte Kirche im Südlichen Afrika), einer Mitgliedskirche der Vereinten Evangelischen Mission (VEM). In Südafrika leitete Williams unter anderem eine kirchliche Organisation namens Christian Dependency Ministry (Christliche Suchthilfe). Die Organisation unterstützt Familien, die mit Drogen- und Substanzmissbrauch zu kämpfen haben. Mit der VEM kam sie erstmals 2015 in Kontakt, als sie parallel zu ihrer Arbeit mit Suchtkranken ein Masterstudium in einem Diakoniestudiengang begann, der von der VEM organisiert wird. Über den Fachkräfteaustausch der Vereinten Evangelischen Mission hat sie nun die Möglichkeit, in Deutschland zu arbeiten. Die VEM hat ein Programm zum Austausch von Mitarbeitenden zwischen drei Kontinenten – Afrika, Asien und Europa. Derzeit nehmen 30 Mitarbeitende an diesem Programm teil. Auf Ebene der Evangelischen Kirche im Rheinland gibt es aktuell zwei Stellen, eine in Essen und eine in Roetgen. Stimmen Kirchenkreis und Landeskirchenamt dem Wunsch einer Gemeinde zu, über das Fachkräfteaustauschprogramm eine Person zu gewinnen, wird diese Stelle ausgeschrieben, erläuterte Pfarrerin Marie-Anne Halim von der VEM. Die Finanzierung übernimmt die Evangelische Kirche im Rheinland. Die Stelle ist zunächst auf drei Jahre befristet, der Zeitraum kann aber um weitere drei Jahre verlängert werden.
In Deutschland war alles neu
Aber warum von allen Ländern ausgerechnet Deutschland? Diese Frage warf Claudette Williams zu Beginn ihrer ersten Predigt selbst auf. Die Sprache ist mindestens so kompliziert wie das System der Mülltrennung – und auch auf der rechten Seite der Straße Auto zu fahren, fühlte sich zu Beginn nicht richtig an. Kurzum: In Deutschland war alles neu. „Gerade zu Beginn habe ich oft gedacht: Ich will wieder zurück“, räumte die Pfarrerin aus Südafrika ein. „Die Antwort auf die Frage nach dem ‚Warum‘ habe ich aber im Gebet gefunden“, führte die 46-Jährige weiter aus und zitierte die Berufung des Paulus. Claudette Williams: „Die Aufgabe, die Paulus gestellt wurde, war nicht aus eigener Kraft zu bewältigen. Das ist ihm bewusst. Paulus dankt Gott für die erstaunliche Gnade, dies im Namen Gottes tun zu dürfen. Gott gibt ihm die Kraft, das Richtige zu machen. Gott qualifiziert die Berufenen.“ Sie fühle sich mit allen Talenten und auch Fehlern berufen für die Aufgaben in Deutschland. „Ich habe vorab gewusst, mit welchen Problemen die Kirche konfrontiert ist, dass viele Menschen die Kirche verlassen, wie schwer es ist, die jungen Menschen in den Gemeinden zu halten. Diesen Weg gehen wir gemeinsam, wir handeln gemeinsam. Wenn wir in unserer Kirche im Monschauer Land etwas verändern wollen, können wir das nur gemeinsam tun. Mit Gottes Hilfe werden wir so viel mehr erreichen. Lassen wir uns aufeinander ein“, schloss sie ihre Predigt.
Reguläre Arbeit im pastoralen Dienst
„Wer dich kennen gelernt hat, ist froh, dass du hier angekommen bist. Wer dich noch nicht kennt, wird diese Erfahrung sicherlich schnell machen“, brachte es Presbyterin Monika Jorewitz bei ihrer Begrüßung von Pfarrerin Dr. Claudette Williams auf den Punkt. „Die Gemeinde freut sich, dass du da bist“, sagte auch Pfarrer Volker Böhm. Als Willkommensgeschenk gab es neben einigen Bibeln, die schon immer eine Rolle im Leben der Pfarrerin gespielt haben, einen Regenschirm. „So etwas brauchst du in Deutschland“, scherzte Pfarrerin Frauke Laaser aus dem Landeskirchenamt.
Claudette Williams wird innerhalb der Gemeinde ganz regulär im pastoralen Dienst arbeiten. An der Stellenausschreibung im Monschauer Land habe sie zudem besonders der Fokus auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen fasziniert. „Claudette Williams ist noch gar nicht lange da, wurde aber schon wahrgenommen“, ist Superintendentin Verena Jantzen überzeugt, dass die Pfarrerin vom Kap in der Eifel gut aufgenommen wurde und Herzen öffnet. „Sie bringt einen anderen Blick auf unsere kirchliche Wirklichkeit mit“, freut sie sich auf die Zusammenarbeit.
Text: Stephan Johnen












