Mutigen Schrittes auf neuen Wegen

Superintendentin Verena Jantzen ordiniert Diakonin Jutta Lindenfels als erste Prädikantin der Kirchengemeinde Roggendorf

Mag die See auch rau und das Wetter ungemütlich sein: Der Leuchtturm Dornbusch auf Hiddensee weist Schiffen seit über 100 Jahren den sicheren Weg. Kaum verwunderlich also, dass Diakonin Jutta Lindenfels, ein Küstenmensch mit Liebe zum Meer, sich den Leuchtturm als Motiv für ihre Ordinationsfeier in der Blankenheimer Kirche ausgewählt hat. Denn so wie das Leuchtfeuer nautisch Orientierung bietet, ist ihr Glaube ebenfalls ein Leuchtturm im Leben – bei ruhiger See ebenso wie in stürmischen Zeiten. „Dein Leuchten, dein Glauben und deine Präsenz ­ das passt alles zum Leuchtturm“, gratulierte der frisch ordinierten Prädikantin Pfarrer Thorsten Schmitt.

Diakonin und Jugendleiterin der Gemeinde

„Wir haben nicht zwei Pfarrer verloren, sondern einen Pfarrer und eine Prädikantin, die zugleich Diakonin ist, gewonnen. Es steht 3:2“, fasste Presbyter Hans-Michael Seidler aus Sicht eines Juristen humorvoll die jüngsten personellen Veränderungen in der Kirchengemeinde Roggendorf zusammen. Nach der Ordination durch Superintendentin Pfarrerin Verena Jantzen traf sich die Gemeinde im Gemeindehaus, um mit der neuen Prädikantin zu feiern. „Auf eine persönliche Vorstellung können wir heute wohl verzichten“, scherzte Hans-Michael Seidler, denn die Diakonin und Jugendleiterin ist in Mechernich und Blankenheim seit Jahren bestens bekannt und das, was trotz ihrer Herkunft aus dem Paderborner Land, als „voll integriert“ bezeichnet werden darf. 

Die Arbeit mit Menschen als roter Faden

„Manchmal müssen wir uns die Füße nass machen, neue Schritte wagen. Aber ich bin überzeugt davon, dass Gott für mein Leben, für dein Leben, einen Plan hat. Gott hat uns wie einen roten Faden in seine Geschichte mit den Menschen eingewoben“, griff Jutta Lindenfels in ihrer Predigt ein weiteres nautisches Motiv auf: den viel zitierten „roten Faden“, der ursprünglich vor 200 Jahren von der britischen Marine in Taue eingearbeitet wurde, damit diese nicht unentdeckt gestohlen werden konnten. Wie ein roter Faden ziehen sich auch die Arbeit mit Menschen und die Verkündigungsarbeit durch das Leben der Prädikantin (Jahrgang 1969), die lange Zeit in einem Pflegeheim gearbeitet hat. Als  2012 ein Gemeindebrief dort ankam, gaben ihre Kolleginnen und Kollegen einen Tipp: „Hier steht deine Stelle drin!“ Gesucht wurde damals eine Jugendleiterin für den Pfarrbezirk. Jutta Lindenfels, die sich stets in der Kinder- und Jugendarbeit ehrenamtlich engagiert hat, wagte einen neuen Schritt, bewarb sich, arbeitete fortan Teilzeit sowohl im Pflegeheim als auch als Jugendleiterin. Im Oktober  2020 startete sie die Ausbildung zur Diakonin, beauftragt wurde sie nach erfolgreichem Abschluss im November 2022. Zwischenzeitlich hatte sie in beiden Pfarrbezirken die Aufgabe der Jugendleiterin übernommen. 

Ein Gewinn für die Vielfalt und Gemeinschaft

Die Ausbildung zur Prädikantin, die zur öffentlichen Wortverkündung und Verwaltung der Sakramente ausgebildet werden, war für sie ein logischer weiterer Schritt. „Ich möchte das, was mir mein Glaube gibt, was für mich wichtig ist, weitergeben können“, sagte Jutta Lindenfels, die gerne „nah am Menschen“ arbeitet. „Verkündigung und Tat, Theorie und Praxis kommen beide zusammen“, findet sie. „Sie ist die erste Prädikantin in unserer Gemeinde“, sprach Pfarrerin Susanne Salentin von einer Bereicherung: „Prädikantinnen und Prädikanten sind ein Gewinn an Vielfalt, ein Gewinn für die Gemeinschaft. Sie bringen Gottes Wort lebendig unter die Menschen.“ Mit der Ordination von Jutta Lindenfels sei auch die Bereicherung verbunden, Gottesdienste zu feiern, „die wir gerne feiern würden, aber zu wenige Pfarrerinnen und Pfarrer hatten“. Sei es beispielsweise in Schulen oder Altenpflegeeinrichtungen. 

Fest verwoben in Roggendorf

„Prädikantinnen und Prädikanten werden in den Gemeinden eine zunehmende, wachsende Bedeutung spielen. Besonders schön ist es, wenn diese Berufung aus der Gemeinde heraus geschieht, wenn es eine organische Entwicklung ist“, betonte Superintendentin Pfarrerin Verena Jantzen. Den rote Faden müssen in der Kirchengemeinde Roggendorf weder Jutta Lindenfels noch die Gemeindemitglieder erst aufnehmen – er ist schon seit vielen Jahren fest verwoben. 

(Text: Stephan Johnen)

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