Buntes Lichtspiel und harter Bass

Jugendgedöns bringt Rave-Gottesdienst vom Kirchentag in Hannover nach Hellenthal – Weitere Ausgaben sind schon in Planung

Wummernde Bässe, harte Bassdrumkicks und dröhnende Riffs: Ungewohnte Klänge waren am letzten Samstag des Jahres in der Evangelischen Kirche in Hellenthal zu hören. Techno, Hardcore und andere Stilrichtungen der elektronischen Tanzmusik dröhnten durch die altehrwürdigen Hallen, während der Raum durch zuckende Lichter erhellt wurde. Zum ersten Mal gab es in der Trinitatis-Kirchengemeinde Schleidener Tal einen Rave-Gottesdienst, veranstaltet von dem Jugendgedöns, den Jugendlichen der Hellenthaler Kirche. „Wir können nicht nur das Reformationskonzert, sondern auch das“, sagte Pfarrer Oliver Joswig mit zufriedenem Gesichtsausdruck. Denn bei der jugendlichen Zielgruppe kam die Premiere des neuen Formats gut an. 

Die hatte es schließlich auch vom Kirchentag in Hannover mitgebracht. „Dort wurde ein Rave-Gottesdienst angeboten, bei der einige von den Jugendlichen aus unserem Jugendgedöns dabei waren und hinterher mit nassgeschwitzten T-Shirts und leuchtenden Augen davon berichteten“, beschrieb Joswig die Entstehungsgeschichte der neuartigen Idee. Und so gab es kaum Erfahrungswerte, auf die die Organisatoren zurückgreifen konnten. Wenigstens wurde der Aufbau der Veranstaltung von dem Versuchsballon in Hannover übernommen. Mit Hilfe von speziell produzierten Videoclips mit Rap und anderen modernen Sounds und Vaterunser wurde der rund zwanzigminütige Gottesdienst gestaltet. „Der Rest ist dann sozusagen ein Orgelnachspiel von 3 ½ Stunden“, so der Pfarrer. 

Auch die Jugendlichen beteiligten sich an der Umsetzung der Lichtspiele.

Auch die Jugendlichen beteiligten sich an der Umsetzung der Lichtspiele.

Die Orgel blieb an dem Abend still. Stattdessen kam die Musik dieses Mal aus großen Lautsprechern.

Die Orgel blieb an dem Abend still. Stattdessen kam die Musik dieses Mal aus großen Lautsprechern.

Die aufwändige Beleuchtung sorgt für die richtige Atmosphäre beim Tanzen.

Die aufwändige Beleuchtung sorgt für die richtige Atmosphäre beim Tanzen.

Die Orgel blieb an dem Abend still. Stattdessen kam die Musik dieses Mal aus großen Lautsprechern.

Die Orgel blieb an dem Abend still. Stattdessen kam die Musik dieses Mal aus großen Lautsprechern.

Auch die Jugendlichen beteiligten sich an der Umsetzung der Lichtspiele.

Auch die Jugendlichen beteiligten sich an der Umsetzung der Lichtspiele.

Die aufwändige Beleuchtung sorgt für die richtige Atmosphäre beim Tanzen.

Die aufwändige Beleuchtung sorgt für die richtige Atmosphäre beim Tanzen.

Aufwändige Technik statt klassische Orgel

Bei dem allerdings nicht die Orgel zum Einsatz kam, sondern ein professionelle und entsprechend leistungsstarke Tonanlage zum Einsatz kam, die ausgeliehen werden konnte. Investiert wurde dagegen in Sachen Licht: Rund 5500 Euro habe die Gemeinde dafür aufgewendet, wobei noch eine Förderung in Anspruch genommen werden konnte, erläuterte Joswig. „Das Licht können wir auch noch für die Kulturkirche nutzen“, machte er deutlich. 

Doch er sei selten so nervös wie an diesem Abend gewesen. Über Monate habe er die Veranstaltung mit den Jugendlichen gemeinsam organisiert, doch eine riesige Unbekannte sei geblieben. „Keiner weiß, wie das angenommen wird“, sagte er. Übervoll sei genauso möglich wie komplett leer. Entspannt habe sich dagegen das Presbyterium gezeigt, als er die Idee vorgestellt habe. „Die habe einfach gesagt: Mach!“, freute er sich über die Unterstützung. Und auch die Gemeindemitglieder hätten sich überraschend tolerant und entspannt gezeigt, als plötzlich eine Lichttraverse beim Weihnachtsgottesdienst im Raum gestanden habe. Das Interesse an der ungewöhnlichen Veranstaltung sei nicht regional geblieben: Es seien Gäste aus Darmstadt und Münster angereist, die ebenfalls bei dem Rave-Gottesdienst in Hannover gewesen seien und nun bedauerten, dass in ihren Gemeinden so etwas nicht angeboten werde. 

Neue Strömungen öffnen

„Es wird der Ruf nach einer Wiederholung kommen“, war sich Joswig schon während der Veranstaltung sicher. So konnte er Sonntagmittag auch vermelden, dass der Rave-Gottesdienst in Hellenthal keine einmalige Veranstaltung bleiben solle. Außerdem würden die Hellenthaler beim Jugendkongress AC26, der im Juni in Aachen veranstaltet werde, wahrscheinlich einen weiteren Rave-Gottesdienst anbieten. 

Denn er stehe hinter dem Konzept. Er habe bereits mehrere Besucher gesehen, die ansonsten mit Kirche nichts am Hut hätten und fragen würden: Das ist Kirche? „Ja, auch das ist Kirche“, so Joswig deutlich. Es gehe darum eingefahrene Wege zu verlassen und sich neuen Strömungen zu öffnen. 

Techno als Musik für alle

Im Gemeindehaus ging es ruhiger zu. Hier gab es die „Chillzone“, wo sich ausgeruht werden und auch gequatscht werden konnte. „Es geht bei der Idee um den Zusammenhalt“, sagte Florian vom „Jugendgedöns“. Alle würden Techno lieben, so sei die Wahl der Musik nicht schwergefallen. Genau wie seine Kumpel Max und Mattes, die sich mit ihm den Fragen des Reporters stellten, war er auf dem Rave-Gottesdienst auf dem Kirchentag gewesen und habe das Event erlebt. Der Publikumszuspruch sei an diesem Samstag noch etwas verhalten, doch das liege vielleicht daran, dass der Termin zwischen Weihnachten und Neujahr liege. Rund 50 Menschen tummelten sich auf der Tanzfläche oder auch rund um die Kirche.

Immer wieder würden in Hellenthal besondere Gottesdienstformate ausprobiert, erklärte Max. Da gebe es den Schlagergottesdienst, einen Kaffeegottesdienst, einen Grillgottesdienst, aber auch einen Super Bowl-Gottesdienst. „Es geht darum, keinen normalen Gottesdienst zu haben, sondern etwas zu erleben“, so Florian. Für den DJ-Part sorgte DJ Dave Krumz aus Schmidtheim, bürgerlich David Murk. Er legte eine Mischung aus verschiedenen Stilrichtungen auf, bevor der Sound im Laufe des Abends immer mehr in Richtung Hardcore ging. 

(Text: Stephan Everling)

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