SCHENKST DU JEMANDEM EINEN FISCH, MACHST DU IHN SATT. LEHRST DU IHN FISCHEN, MACHST DU IHN FÜR EIN LEBEN SATT. Konfuzius

Diese alte Weisheit aus China geht mir durch den Kopf, wenn ich die Bilder von Menschen sehe, die aufgrund von Not und Armut ihre Heimat verlassen. Haben sie nicht gelernt, ihre Fische zu fangen oder für ihr tägliches Brot zu sorgen? 

Oft sind ihre Küsten oder Seen leergefischt. Menschen sehen nicht, obwohl sie fischen gelernt haben, womit sie oder ihre Kinder satt würden.

Die alte Weisheit vom Lernen für das Leben hat heute dort ihre Grenze, wo Menschen erleben, dass sie mit ihrem Latein am Ende sind. Sie fühlen sich inmitten einer Welt des Fortschrittes und des Wohlstandes abgehängt, übergangen, ausgegrenzt und ohne Zukunft: Exklusion statt Inklusion.

In der biblischen Tradition kommt dem Fisch ebenfalls symbolische Kraft zu. In der Nachfolge werden Christen zu Menschenfischern (Mk. 1,17), ja es werden sogar so viele, dass die Netze zu reißen drohen (Joh. 21,11).

Meine Assoziation betrifft dabei den spannenden Punkt, wie viele in einem Boot Platz finden, bis es kentert oder wie intensiv ein Team sich um einen Verloren kümmern soll, ohne selbst unterzugehen oder die Mehrheit aus dem Blick zu verlieren.

Der Gedanke von Konfuzius macht deutlich, wie jede Lebensweisheit ihre Berechtigung hat und zugleich an ihre Grenzen kommt. Es ist richtig, Menschen zu schulen, damit sie selbstständig leben können, eine Landessprache beherrschen und einer Arbeit nachgehen können, die das tägliche Brot erwirtschaftet.

Vielen Menschen ist dies leider nicht möglich. Daher gilt es, sie zu unterstützen. Und auch dort gibt es Grenzen.

Ich persönlich erlebe ein Dilemma als Ohnmacht, die mich beschämt und kränkt. Mir begegnen Menschen, denen ich als einzelner oder unsere Gesellschaft mit unseren Institutionen kaum weiterhelfen können. Es ist für mich frustrierend zu erleben, wenn zudem Hilfestellungen abgelehnt oder vergeudet werden. Dann erfreuen mich auf der anderen Seite kleine, gelungene Maßnahmen. Doch dem stehen mitunter die erdrückenden Bilder von katastrophalen Berichten über Geschehnisse in der Welt gegenüber.

In Gesprächen über den Glauben und Gott spüre ich, wie sehr das Elend und die Not zu Zweifel und Vertrauensverlust führen. M.E. wachsen Glaube und Vertrauen gerade in Krisen, wenn diese in Verbundenheit mit Gott gemeistert werden.

In Glaubensdingen fischen zu lernen bedeutet für mich, sich nicht bloß dann und wann mit einem Bröckchen erhebender oder benebelnder Spiritualität abspeisen zu lassen, sondern den geistlichen Fragen auf den Grund zu gehen.

Die geistliche Reise durchs Leben mit Christus als Wegbegleiter und Orientierungspunkt ist mehr als spannend. Sie lässt zu, auch fernen Weisheiten und Gottesvorstellungen offen zu begegnen ohne zugleich einer Beliebigkeit zum Opfer zu fallen. Die erste Christenheit hatte sich das Zeichen des Fisches ausgewählt, um zu demonstrieren, welche geistliche Nahrung sie satt macht. Der Fisch, gr. ICHTYS, steht als Anagramm dafür, dass Gottes heilende Kraft in Christus erkannt werden kann.

Von diesem guten Geist wünsche ich uns eine hinreichende Portion, besonders unserer christlichen Gemeinschaft. Zu fischen lernt man nur in Gemeinschaft.

Ihr Pfarrer Michael Stöhr

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